Ordensaushändigung in Würzburg

Würzburg, 20. Februar 2013 (stmi). Auf Vorschlag des Bayerischen Ministerpräsidenten hat der Bundespräsident Dr. Rudolf Fuchs, Hedwig Mayer, Edgar Rieß, Christa Schleser und Ingeborg Weigand mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Staatssekretär Gerhard Eck hat die Auszeichnungen heute in Würzburg ausgehändigt.

Ordensaushändigung am 20. Februar 2014 in der Würzburger Residenz: Innenstaatssekretär Gerhard Eck (ganz rechts) überreicht das Verdienstkreuz am Bande an Dr. Rudolf Fuchs, Ingeborg Weigand, Christa Schleser, Hedwig Mayer und Edgar Rieß (von links nach rechts); ganz links Regierungspräsident Dr. Paul Beinhofer
© Regierung von Unterfranken

Mit seinen Ordensverleihungen möchte der Bundespräsident die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf hervorragende Leistungen lenken, denen er für unser Gemeinwesen besondere Bedeutung beimisst. Der Verdienstorden wird an in- und ausländische Bürgerinnen und Bürger für politische, wirtschaftlich-soziale und geistige Leistungen verliehen sowie darüber hinaus für alle besonderen Verdienste um die Bundesrepublik Deutschland, wie zum Beispiel im sozialen und karitaiven Bereich.

Dr. Rudolf Fuchs (66) aus Rimpar

Ordensaushändigung am 20. Februar 2014 in der Würzburger Residenz: Innenstaatssekretär Gerhard Eck überreicht das Verdienstkreuz am Bande an Dr. Rudolf Fuchs, rechts Regierungspräsident Dr. Paul Beinhofer
© Regierung von Unterfranken

Dr. Rudolf Fuchs hat sich über viele Jahre hinweg in zahlreichen Ämtern und Funktionen im Sparkassen-, Finanz- und Versicherungswesen an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt sowie darüber hinaus in den Bereichen Kultur und Soziales engagiert. 1967 begann er seine Ausbildung zum Sparkassenkaufmann bei der Städtischen Sparkasse Würzburg. 2001 wurde Fuchs auch die Funktion des Obmanns und stellvertretenden Verbandsvorsitzenden des Sparkassenbezirksverbands Unterfranken übertragen. In dieser Eigenschaft war er zugleich Mitglied des Fachbeirats des Sparkassenverbands Bayern. Fuchs war in vielen Aufgabenbereichen - auch außerhalb seiner eigenen Sparkasse - tätig und damit maßgeblich an der Fortentwicklung der Sparkassenorganisation in Bayern beteiligt. Und er bekleidete zahlreiche ehrenamtliche Tätigkeiten im Umfeld der Sparkassenorganisationen: So war er beispielsweise Mitglied des Verwaltungsrats der 'Versicherungskammer Bayern' sowie Aufsichtsratsmitglied bei der 'Versicherungskammer Bayern Konzern-Rückversicherungs AG', bei der 'Bayern-Versicherung Lebensversicherungs AG', bei der 'Bayerischen Versicherungsverband Versicherungs AG', bei der 'Bayerischen Landesbrandversicherungs AG' und bei der 'Deutschen Anlagen-Leasing GmbH & Co KG'. Zudem war Fuchs Mitglied des Präsidiums und der Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer Würzburg-Schweinfurt und Mitglied im Geld- und Kreditausschuss des Deutschen Industrie- und Handelskammertages. Noch heute engagiert er sich als Vorsitzender des Hochschulrates der Hochschule Würzburg-Schweinfurt sowie als Schatzmeister der Gesellschaft der Förderer und Freunde der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt. Zum Wintersemester 2011/2012 nahm Fuchs überdies mit einer Lehrveranstaltung zum Thema 'Ursachen und Wirkungen in der Bankenkrise' - nach seinen eigenen Einschätzung das wichtigste Thema in seiner Zeit als Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Mainfranken Würzburg - seine frühere Lehrtätigkeit an der Hochschule wieder auf. Seit 2001 war Fuchs Mitglied des Kuratoriums des jüdischen Gemeinde- und Kulturzentrums 'Shalom EUROPA'. In dieser Eigenschaft begleitete er das Neubauvorhaben der Israelitischen Gemeinde Würzburg. Darüber hinaus ist seine über 20-jährige Mitgliedschaft im Kuratorium des 'AIESEC Würzburg' hervorzuheben. 'AIESEC' ist eine internationale Studentenorganisation, die in mehr als 100 Ländern aktiv ist. Schließlich war Fuchs viele Jahre Sprecher für die Wirtschaft im lokalen Arbeitskreis SCHULEWIRTSCHAFT Bayern im Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft. Sein hohes ehrenamtliches Engagement wird durch sein Wirken als Verwaltungsratsvorsitzender der 'Kolping-Mainfranken GmbH' sowie als Vorstandsmitglied des Arbeitskreises auf Burg Rothenfelds in beeindruckender Weise abgerundet.

Hedwig Mayer (71) und Christa Schleser (83) aus Volkach, Landkreis Kitzingen

Ordensaushändigung am 20. Februar 2014 in der Würzburger Residenz: Innenstaatssekretär Gerhard Eck überreicht das Verdienstkreuz am Bande an Hedwig Mayer und Christa Schleser, rechts Regierungspräsident Dr. Paul Beinhofer
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Schleser wurde 1949 in die Gemeinschaft der Augustinusschwestern aufgenommen. Im März 1956 kam sie zunächst probehalber mit einer weiteren Schwester des Ordens auf die Vogelsburg bei Volkach, wo es unter anderem die Weinberge zu bewirtschaften galt; diese Aufgabe sollte sie übernehmen. Berufsfremd im Weinbau, belegte Schleser ein entsprechendes Wintersemester in der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim, um sich die notwendigen fachlichen Kenntnisse anzueignen.

Mayer wurde im Februar 1973 in den Augustinuskreis Würzburg/Vogelsburg aufgenommen. Fünf Monate später kam sie auf die Vogelsburg, um im dortigen Weinberg zu arbeiten. 1975 legte sie die Gehilfenprüfung und 1982 die Meisterprüfung im Beruf der Winzerin erfolgreich ab. Ab diesem Zeitpunkt war sie bis 2005 auch Mitglied im Prüfungsausschuss für den Ausbildungsberuf Winzer/Winzerin.

Seit 1957 oblag Schleser die Leitung des Weingutes Vogelsburg. In Mayer fand Schleser ab 1973 eine 'Gleichgesinnte'. Aufgrund der fehlenden maschinellen Ausrüstung war die Arbeitsintensität auf dem Weingut sehr hoch. Im Gegensatz zu den anderen Weingütern wurde schon damals auf Naturbegrünung geachtet. Von 1964 an verzichteten Schleser und Mayer zudem aufgrund negativer Erfahrungen gänzlich auf den Einsatz von Herbiziden und Insektiziden. Die Bewahrung des ihnen anvertrauten Stücks Schöpfung und seine pflegliche Behandlung war ihnen stets ein wichtiges Anliegen, um die Nachhaltigkeit zu fördern. Die Umstellung auf Pflegemittel auf pflanzlicher Basis war für Schleser und Mayer eine schwierige Zeit, weil es in ganz Franken niemand gab, mit dem sie Erfahrungen austauschen konnten. Andererseits durfte sie sich keine Fehlschläge erlauben, da der Weinbau ein wesentliches finanzielles Standbein für die Augustinusschwestern auf der Vogelsburg darstellte.

Mit großem Mut haben sie den eingeschlagenen Weg konsequent fortgesetzt. Für sie beide ist die Verwirklichung des Auftrags zur Bewahrung der Schöpfung zum Lebensinhalt geworden. Ihr Bestreben war es, durch intensive Humuswirtschaft die Ertragsfähigkeit des Bodens auch für nachfolgende Generationen zu erhalten. Nach jahrzehntelangem, ökologischem Wirtschaften im Weinberg auf der Vogelsburg hat der ökologische Faktor mehr und mehr Einfluss auf den Weinbau im fränkischen Anbaugebiet genommen. Heute wird in Weinbergen vielfach Begrünung praktiziert und die Ausbringung von Wirkstoffen im Pflanzenschutz und bei der Schädlingsbekämpfung minimiert. Bodenanalysen gehören zur Selbstverständlichkeit. Ihre Pionierleistungen haben mit dazu beigetragen, dass die Wichtigkeit nachhaltigen Wirtschaftens in den fränkischen Weinbergen erkannt wurde und Berücksichtigung findet.

Nachdem Schleser sich aufgrund eines sozialen Engagements in ihrer eigenen Familie zwischen 1988 und 2003 von der Vogelsburg verabschiedet hatte, übernahm Mayer die Verantwortung für das Weingut. Priorin der Gemeinschaft der Augustinusschwestern e.V. auf der Vogelsburg ist sie seit 2003. Sie trug damit viele Jahre Verantwortung für das Kloster sowie dessen wirtschaftliches Umfeld mit Weingut, Gastronomie und Tagungsstätte. Zum 1. Januar 2011 übertrug die Gemeinschaft der Augustinusschwestern die Vogelsburg als Einheit auf die Stiftung Juliusspital Würzburg. Mit dem Weingut der Stiftung wurde vereinbart, den Weinbau im Sinne der Schwestern weiterzuführen.

Edgar Rieß (74) aus Bad Brückenau, Landkreis Bad Kissingen

Ordensaushändigung am 20. Februar 2014 in der Würzburger Residenz: Innenstaatssekretär Gerhard Eck überreicht das Verdienstkreuz am Bande an Edgar Rieß, rechts Regierungspräsident Dr. Paul Beinhofer
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Edgar Rieß engagiert sich seit annähernd sechs Jahrzehnten in außergewöhnlicher Weise beim Bayerischen Roten Kreuz in verschiedenen Funktionen auf Orts-, Kreis-, Bezirks- und Landesebene und im Vereinsleben seiner Heimatstadt Bad Brückenau. 1955 wurde Rieß Mitglied des BRK. Er war über viele Jahre ehrenamtlich im Rettungsdienst in der Rettungswache Bad Brückenau tätig und maßgeblich am Bau einer neuen Rettungsdienstgarage und an der Umwandlung eines Krankenwagens in einen zweiten Rettungswagen beteiligt. Von 1970 bis 1972 sowie abermals von 1981 bis 1985 war er Kolonnenführer der damaligen Sanitätskolonne Bad Brückenau. Von 1973 bis 1981 war Rieß Kreiskolonnenführer des BRK im Kreisverband Bad Kissingen. Anschließend stand er als stellvertretender Kreiskolonnenführer zur Verfügung. Noch heute ist er als Delegierter des Kreisverbandes zur Bezirks- und Landesversammlung tätig. Seit Ende der 1960er Jahre ist Rieß Mitglied des erweiterten Vorstands des BRK-Kreisverbandes Bad Kissingen. Hier war er maßgeblich beteiligt an den Entscheidungen zum Neubau der Kreisgeschäftsstelle am heutigen Standort, am Kauf und Umbau der alten Post in Münnerstadt, an der Errichtung des neuen Lehrsaals in Bad Brückenau und am Aufbau des bayerischen Sanitätszugs im Kreisverband Bad Kissingen. Die Ausbildung in Erster Hilfe und für Sofortmaßnahmen am Unfallort lag ihm immer sehr am Herzen, und so ist er auch heute noch ein sehr qualifizierter und engagierter 'Ausbilder Erste Hilfe'. Besonders setzt Rieß sich auch ein für die BRK Motorradstreife, deren Mitbegründer er war. Als deren Gruppensprecher war er verantwortlich für die Organisation der Dienste und die Werbung neuer Mitglieder. Daneben ist er seit Jahrzehnten im 'Bürger- und Schützenverein Bad Brückenau 1842 e.V.' aktiv. So war er von 1964 bis 1973 dessen Schriftführer, übte er von 1975 bis 1991 das Amt des Kassenprüfers aus und sind seit 1995 Vorsitzender des Vereins. Beim '1. FC Bad Brückenau 1919 e.V.' war Rieß über 25 Jahre Beisitzer des Vereinsausschusses. Für seine ehrenamtlichen Verdienste wurde er 1999 zum Ehrenrat ernannt.

Ingeborg Weigand (61) aus Schweinfurt

Ordensaushändigung am 20. Februar 2014 in der Würzburger Residenz: Innenstaatssekretär Gerhard Eck überreicht das Verdienstkreuz am Bande an Ingeborg Weigand, rechts Regierungspräsident Dr. Paul Beinhofer
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Ingeborg Weigand ist seit 1990 für den Sozialpsychiatrischen Dienst - Beratungsstelle für seelische Gesundheit - des 'Caritasverbandes für die Stadt und den Landkreis Schweinfurt e.V.' tätig. Als damals Ehrenamtliche in die Arbeit des Sozialpsychiatrischen Dienstes mit einbezogen wurden, war sie eine der ersten Freiwilligen und ist bis heute eine feste und zuverlässige Bezugsperson für viele Hilfesuchende. In den ersten Jahren ihrer Tätigkeit kümmerte Weigand sich in erster Linie um die 'Teestube' in Schweinfurt, ein offenes Kontaktangebot für seelisch kranke Menschen. Hierfür nahm sie regelmäßig an den monatlichen Treffen der Ehrenamtlichen teil und besuchte zudem auf eigene Kosten eine intensive Ehrenamtlichen-Schulung beim Sozialpsychiatrischen Dienst in Würzburg. Auch heute noch ist Weigand nahezu wöchentlich in der 'Teestube' und betreut einige Hilfesuchende in deren privatem Umfeld weiter. Seit November 2001 ist Weigand auch als stellvertretende Vorsitzende des 'Sozialdienstes katholischer Frauen e.V. - Ortsverein Schweinfurt' tätig. Sie besucht regelmäßig Familien in der Asylbewerberunterkunft 'Breite Wiese', betreut die 74 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und ist als Ansprechpartnerin für die hauptamtlichen Mitarbeiter in den Aufgabenfeldern 'gesetzliche Betreuungen' und 'Täter-Opfer-Ausgleich' da. Seit 2011 ist Weigand Familienpatin einer alleinerziehenden Mutter aus Äthiopien. Bereits seit über zehn Jahren arbeitet sie eng mit der 1. Vorsitzenden des 'Evangelischen Frauenbundes Schweinfurt e.V.', Frau Heike Gröner, zusammen und wurde 2010 selbst Mitglied dieser Organisation. Hier gilt ihr hauptsächliches Augenmerk der Integration von Zuwanderern. So war sie lange Zeit im Erzählcafé am Deutschhof tätig, wo Nachmittage zum Vorlesen und Kreativsein für Neubürger und deren Kinder stattfinden. Sie unterstützt durch ihre Mithilfe viele einzelne Veranstaltungen des Evangelischen Frauenbundes, wie Ausflüge, Treffen, Stadtfeste zur Integration und daneben auch die Leseförderung von Kindern. Im Integrationsbeirat der Stadt Schweinfurt, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Lebensverhältnisse von Zuwanderern zu verbessern und die zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen Einheimischen und Zuwanderern sowie den Dialog zwischen den Kulturen zu fördern, vertritt sie seit 2009 die Zuwanderer aus den Staaten der EU. Sie engagiert sich im Arbeitskreis Öffentlichkeitsarbeit und setzt sich besonders auch für asylsuchende Familien ein. Im Jahr 2010 zeichnete sie für ein Kulturevent des Integrationsausschusses in der Stadtgalerie Schweinfurt verantwortlich, welches die bestbesuchte Veranstaltung während der 'Interkulturellen Wochen 2010' war. Neben all diesem ehrenamtlichen Wirken nimmt Weigand sich seit Januar 2011 zusätzlich die Zeit, an Demenz erkrankte Patienten im Leopoldina-Krankenhaus Schweinfurt zu besuchen.